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Salmlerartige (Characiformes)

Echte amerikanische Salmler (Characidae)

Roter Neon (Paracheirodon axelrodi Schultz, 1956)

Einleitung:

Der mit Abstand beliebteste und am meisten gepflegte Zierfisch überhaupt ist der Rote Neon (Paracheirodon axelrodi). Kannte man vor seiner Entdeckung in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts nur den Neonsalmler als prachtvoll gefärbten Fisch, der es mit Korallenfischen aufnahm, war die Entdeckung des Roten Neon eine wahre Sensation.
Heute hat der Rote Neon nicht nur ein führenden Platz in den Aquarien, er stellt auch einen nicht unerheblichen wirtschaftlichen Faktor der gesamten Zierfischbranche dar. Konkrete Zahlen sind schwer zu ermitteln, allerdings dürften die jährlichen Exporte aus Brasilien die 20-25 Millionen Grenze ohne Schwierigkeiten überschreiten. Zur winterlichen Hauptsaison sind wöchentliche Importe von 100.000 Tieren und mehr nach Mitteleuropa keine Ausnahme. Rote Neon machen phasenweise bis zu 80 % des Exportes an Zierfischen aus Brasilien aus. Das sind Zahlen aus den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, ob sie ohne Einschränkung auf das 21. Jahrhundert übertragen werden können, muß derzeit offen bleiben. Unbestritten ist der Rote Neon aber der Zierfisch Nr. 1.

Synonyme:

Cheirodon axelrodi Schultz, 1956
Hyphessobrycon cardinalis Myers & Weitzman, 1956


Größe und Lebenserwartung:

Bis 5 cm im Aquarium. In der Natur oft nur bis 3 cm oder wenig mehr. Die Lebenserwartung im Aquarium beträgt bei guter Hälterung bis zu 6 Jahren. In der Natur dürfte sie 2 Jahre kaum überschreiten, da die Art einem sehr starken Feinddruck unterliegt.


Verbreitung und Lebensräume:

Kolumbien, teilweise Venezuela (Orinoco, Rio Negro-Einzugsgebiet bis in den unteren Rio Negro.


Der Rote Neon ist ein typischer Schwarzwasserfisch und kommt in seinen Lebensräumen in extrem salzarmen, sauren Wasser, durch Huminsäuren und Gerbstoffe bräunlich gefärbten Wasser vor. Er bevorzugt kleinere Bäche und Flüsse, ist in den Hauptströmen daher eher selten anzutreffen. Insgesamt lebt er gerne in seichtem Uferwasser unter schattenspendender Vegetation.


Haltung:

Die aquaristische Haltung ist relativ unkompliziert. Gut eingewöhnte Tiere sind auch für viele Gesellschaftsaquarien geeignet. Was oftmals in den Diskussionsforen im Internet zu Streit führt, sind die bevorzugten Wasserwerte, die der Rote Neon stellt. Von seiner Natur her ist ein ein Weichwasserfisch, daraus resultieren ideale Wasserwerte für die aquaristische Hälterung von GH < 4 und pH < 6,5 (und weniger). Allerdings soll nicht verschwiegen werden, daß auch ein Hälterung in mittelhartem Wasser bei gut eingewöhnten Tieren geht, was auf eine ökologische Plastizität der Art schließen läßt. Dennoch soll hier eine Hälterung in ungeeignetem Wasser keinesfalls befürwortet werden, denn es zeigt sich sehr schnell, daß die Tiere in längerer Hartwasserhaltung nicht mehr zur Fortpflanzung schreiten und die weiblichen Tiere zur Laichverhärtung neigen (s.u. zur Zucht). Dies sind eindeutige Hinweise, daß die Tiere zu den Weichwasserfischen im engeren Sinne gehören. Schwieriger zu beurteilen sind immer wieder zu lesende Angaben, daß es in Hartwasserhaltung zu Organschäden, insbesondere der Ausbildung von Nierensteinen bei den Fischen kommt. Es wird einem späteren Artikel vorbehalten bleiben müssen, diese Sachverhalte, die eng mit Ionen- und Osmoregulation des Fisches verbunden sind, genauer zu erläutern.

Der Rote Neon ist, wie viele Salmler, ein Raubfisch und frißt alles, was in sein Maul paßt. So unlogisch, wie sich diese Äußerung auf den ersten Blick anhört, so richtig ist sie dennoch. Die Hauptnahrung des Neons in der Natur besteht aus Kleinkrebsen und Insektenlarven, also tierische Nahrung, weshalb der Begriff Raubfisch durchaus zutreffend ist, wenn auch in einer etwas persönlichen Auslegung. Im Aquarium geht er schnell an Flockenfutter als Ersatzfutter, sollte allerdings immer Lebend- und Frostfutter zusätzlich erhalten.

An die Beckeneinrichtung stellt der Rote Neon recht wenige Ansprüche. Er ist da genügsam, wenn die Aquarien als Ersatzlebensraum seinem Deckungsbedürfnis auf der einen, und seinem Schwimmverhalten auf der anderen Seite rechnung tragen. Er steht recht gerne deckungsnah, aber dann doch wieder etwas im Freiwasser, auf diesen Punkt sollte die Einrichtung schon Rücksicht nehmen.


Sozialverhalten und Beckengröße:

Rote Neon sind keine Schwarmfische im engeren Sinne. Angaben in der Literatur dazu sind unrichtig oder zumindest unvollständig. Rote Neon verteilen sich beim Ausbleiben eines Feindfaktors relativ gleichmäßig im Aquarium und grenzen dort oft kleine Individualreviere ab, die über mehrere Stunden einbehalten werden. Das Verhalten läßt sich im Augenblick (2003-2004) geradezu in idealer Weise im Aquarium am Kölner Zoo beobachten, wo eine Gruppe von etwa 500 Tieren in einem Artaquarium lebt. Die Tiere sind vollständig im gesamten Becken verteilt, von Schwarmverhalten nicht die geringste Spur. In den natürlichen Vorkommensgebieten hat beispielsweise nach Vladko Bydzovsky der Neon durchschnittliche Besiedlungsdichten von 5-8 Tieren / m². Das spricht eindeutig gegen einen Schwarmfisch.

Dennoch ist der Rote Neon kein Einzelgänger, er benötigt den Kontakt zu Artgenossen, daher sollte man ihn nicht in Gruppen unter 10 Tieren als untere Grenze pflegen.

Bei einer Endgröße von 5 cm ergeben sich dann schnell erforderliche Beckengrößen von 80 cm Standardlänge. In kleineren Aquarien kann er durchaus auch artgerecht gepflegt werden, allerdings sind hier dann schnell Grenzen in der Vergesellschaftung und dem Gesamtbesatz gesetzt.

Geschlechtsunterschiede und Zucht:

Die Zucht dieses Weichwasserfisches ist nach wie vor ein größeres Problem, die sich bei den handelsüblichen Marktpreisen im kommerziellen Stil nicht lohnt. Zu Zeiten des "eisernen Vorhanges" spielten in Mitteleuropa Nachzuchten aus Tschechien eine gewisse Bedeutung, die vorzugsweise auch im süddeutschen Raum auf dem Markt erhältlich waren. Nach der "Wende" in den osteuropäischen Staaten zogen auch dort die Kosten für die Nachzucht der Tiere an, so daß Nachzuchten heute meist nicht wirtschaftlich mit den Wildfängen konkurrieren können.

Wichtigste Voraussetzung ist absolute Sauberkeit und geeignete Zuchttiere. Die Zuchttiere müssen in sehr weichem Wasser (GH/KH < 4) gehalten werden, sonst wird das nie was. Zum Zuchansatz sollte man ein Paar verwenden das bereits im Hälterungsbecken zusammen abgelaicht hat, das Herausfangen der richtigen Tiere ist absolut nicht einfach.
Das Zuchtbecken und alle technischen Gegenstände (Heizer, Laichrost) müssen peinlichst gesäubert und desinfiziert werden. Das zur Zucht verwendete Wasser muß sehr weich (GH/KH<0; Leitfähigkeit << 100 µS/cm) und stark sauer (pH 4,5 bis 5) sein und es muß absolut sauber sein. Ich verwende über Torf gefiltertes Osmosewasser das danach noch über Filterwatte und einem UV-Strahler gefiltert wird.
Das Zuchtbecken (12 bis 25 Liter) wird am Boden und drei Seiten entweder mit schwarzer Pappe oder Folie abgeklebt. die Vorderseite wird ebenfalls abgeklebt, aber so, das sich die Abdeckung öffnen läßt. Auch die Deckscheibe ist schwarz abzukleben. Als Laichsubstrat verwende ich grüne Wollfäden (die Farbe ist eher nebensächlich, die gründlich ausgekocht werden.
Ein großes Problem ist den richtigen Zeitpunkt für den Zuchtansatz zu erwischen, wie die meisten Salmler, laichen auch die Neon in bestimmten Abständen. Hat man das Paar beim Laichen im Haltungsbecken beobachtet oder kennt den Zeitpunkt des letzten Laichens, tut man sich wesentlich leichter. Die Zuchttiere sind vor dem Ansatz gut und abwechslungsreich zu füttern, ich verwende ausschließlich feines Lebendfutter.
Zum Ansatz setzt man das Zuchtpaar am besten abends ind das vorbereitete Zuchtbecken, hat man alles richtig gemacht, laichen die Tiere meist in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages. Der Laich darf nun möglichst kein Licht bekommen, es ist nicht ganz einfach die Laichkörner im Dunkeln zu erkennen, da hilft eine schwache ! Taschenlampe. Die Alttiere werden dann vorsichtig herausgefangen.
Nach etwa 36 Stunden schlüpfen die Larven bei ca. 29 C und nach weiteren 36 Stunden schwimmen sie frei und müssen mit Infusorien gefüttert werden. Ideal wären Rädertierchen, zur Not gehen gut gereinigte Pantoffeltierchen. Nehmen die Jungfische nach etwa einer Woche kleine Artemianauplien ist das Gröbste überstanden.


Verwechslungsmöglichkeiten:

Es gibt grundsätzliche Ähnlichkeiten in der Zeichnung mit Paracheirodon simulans, dennoch können die Arten bei etwas genauerer Betrachtung nicht verwechselt werden.


Gefährdung:

Nicht gefährdet nach IUCN Red List. Es gibt Angaben, daß der Rote Neon gebietsweise zur Laichzeit unter Schutz steht, d.h. nicht gefangen werden darf. Von einer konkreten Bedrohung der Freilandbestände ist jedoch auch trotz der hohen Naturnentahmen derzeit nicht auszugehen und auch nicht zu erwarten.


Literatur und Links:

  1. Zuchtbericht von Werner Krafczyk.
  2. "Roter Neon Superstar" von Vladko Bydzovsky


Copyright:

Werner Krafczyk (2002),
Dr. Ralf Rombach (2004).

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