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Karpfenartige (Cypriniformes)

Karpfenfische (Cyprinidae)

Haibarbe (Balantiocheilos melanopterus [Bleeker, 1851])

Einleitung
Die Haibarbe wird häufig im Handel angeboten als schwimmaktiver, ansprechender Fisch. Im Handel sind in aller Regel Jungfische von Wildfängen anzutreffen mit einer Größe um 6 cm. Dabei wird häufig übersehen, daß diese Fischart als Aquarienfisch äußerst ungeeignet ist, was in ihrer Endgröße und ihrem Sozialverhalten liegt. Die Ersteinfuhr erfolgte 1955 durch Tropicarium.

Synonyme
Barbus melanopterus Bleeker, 1851
Puntius melanopterus (Bleeker, 1851)
Balantiocheilus melanopterus (Bleeker, 1851)

Größe und Lebenserwartung
Die Haibarbe B. melanopterus erreicht eine Größe von bis zu 35 cm. Die Lebenserwartung ist hoch. Sie wird mit 10 Jahren angegeben, dürfte aber deutlich darüber liegen.

Verbreitung und Lebensräume
Südostasien. Kambodscha, Vietnam, Indonesien, Laos, Malaysia.

Die Haibarbe ist eine Art der größeren Fließgewässer und Seen. Sie kommt dort in der Freiwasserzone mit deutlicher Bodenorientierung vor (benthopelagisch).

Haltung
Die Haltung der Haibarbe ist, entsprechend geräumige Aquarien vorausgesetzt, vom Prinzip nicht schwierig. Bezüglich der Wasserwerte bevorzugt sie wie die überwiegende Mehrzahl von Fischen aus Regenwaldgebieten weiches und saures Wasser (Gesamthärte um 5 GH, pH Wert 6,5, Temperatur 22-27 C), kommt aber auch mit mittelhartem und neutralem Wasser zurecht.

Sehr bedeutend ist die Größe des Aquariums. Als groß werdende, schwimmaktive Art benötigt sie Aquarien für eine artgerechte Haltung von 350 cm Länge und 90 cm Tiefe bei einer Höhe von mindestens 60 cm. Dabei wird die Grundregel der zehnfachen Körperlänge für die Beckenlänge und der mindestens dreifachen Körperlänge in der Tiefe des Beckens als Maß herangezogen. Diese Werte sind für schwimmaktive Fische nicht überhöht. Die Mindestgröße der Aquarien sollte 250 cm x 70 cm x 50 cm (875 l brutto) auf keinen Fall unterschreiten. Bei solchen Becken ist eine stärkere Wasserbewegung durch Umwälzpumpen erforderlich. In kleineren Aquarien ab 500 l kann die Haibarbe nur unter besonderen Bedingungen gepflegt werden, worunter Rundbecken oder Achteckbecken mit stärkerer kreisförmiger Wasserbewegung im Aquarium zu verstehen ist.

Jegliche andere Form der Hälterung ist für die Tiere unzumutbar und verstößt bei genauer Betrachtung gegen die Bestimmungen des Tierschutzgesetzes.

Als Bodengrund für die gründelnde Haibarbe empfiehlt sich ausschließlich feiner Sand. Auf Kiesböden können sie ihrem natürlichen Verhalten nicht ausreichend nachgehen.

Die Einrichtung sollte einerseits genügend freien Schwimmraum zur Verfügung stellen, andererseits braucht die zur Schreckhaftigkeit neigende Haibarbe im rückwärtigen Beckenbereich dicht bepflanzte deckungsreiche Rückzugsmöglichkeiten. Unterstände sind nicht erforderlich. Eine Schwimmpflanzendecke fördert das Wohlbefinden der Art.

Die Ernährung der Haibarbe bereitet keine Probleme. Sie geht willig an angebotenes Trocken-, Frost- und Lebendfutter. Feinere pflanzliche Beikost, in Bodennähe angeboten, ist jedoch erforderlich.

Sozialverhalten und Geschlechtsunterschiede
Die Haibarbe (Balantiocheilos melanopterus) ist als benthopelagische Art bevorzugt im Freiwasserraum anzutreffen mit Tendenz zum Boden. D.h. die Tiere suchen oft gründelnd nach Nahrung und kauen dabei gerne den Sandboden durch.

Die Tiere sind Schwarmfische im engeren Sinne. Ein Schwarm eines Schwarmfisches fängt nicht bei 5 Tieren an. Bei genaueren Verhaltensstudien zeigt sich schnell, daß sie sich in Gruppen ab 10 Tiere und mehr wohler fühlen als in kleineren Gruppen. Eines der sichtbarsten Anzeichen ist die abnehmende Schreckhaftigkeit mit zunehmender Größe der Gruppe. Werden die Tiere gestört, beruhigen sie sich in einer größeren Gruppe deutlich schneller. Ob ins Wasser abgegebene Pheromone (Botenstoffe) eine Rolle in der Kommunikation spielen wie bei anderen echten Schwarmfischen, ist noch ungeklärt, zumindest liegt mir keine Literatur darüber vor.

Wie soeben erwähnt, sind Haibarben sehr schreckhafte Fische. Plötzlich auftretende Störungen außerhalb des Aquariums werden oft mit wildem Umherschießen beantwortet, wobei die Tiere des öfteren an die Scheiben stoßen und sich im Maulbereich verletzen können. Sekundärinfektion in Form von Verpilzungen sind bei unzureichender Wasserpflege eine oft zu beobachtende Folge.

Des weiteren sind die Tiere sprungfähig. Unruhige, gestresste Tiere versuchen durch Sprünge aus dem Aquarium der für sie bedrohlichen Situation zu entweichen. Dies gilt vor allem bei Pflegearbeiten am Aquarium und beim Herausfangen von Tieren.

Die Ursachen für diese Schreckhaftigkeit sind in ihrer ökologischen Nische als Art des Freiwassers größerer Gewässer zu suchen. Fische des Freiwasser leben in relativ ungeschützten Bereichen und müssen diesen Nachteil durch erhöhte Aufmerksamkeit ausgleichen. Diese Fische unterliegen dort einem hohem Feinddruck sowohl von räuberischen Fischen als auch beispielsweise fischfressenden Wasservögeln. Freilanduntersuchungen über die Einnischung der Art fehlen jedoch bisher.

Unter Berücksichtigung der Endgröße, des Schwarmverhaltens und der Schreckhaftigkeit ergibt sich sehr schnell, daß die Aquarien eigentlich nur als Art-Aquarien betrieben werden können. Auf jeden Fall stören weitere Freiwasserfische. Die Vergesellschaftung mit bodengebundenen Arten wie Schmerlen ist dagegen durchaus gut möglich.

Ein entsprechend großes, auf die Bedürfnisse der Haibarben abgestimmtes und attraktiv eingerichtetes Aquarium ist eine ästhetische Augenweide. Dies bleibt leider nur wenigen Aquarianern und Zoologischen Gärten vorbehalten.

Sekundäre Geschlechtsmerkmale sind nicht bekannt. Wie bei vielen Karpfenfischen sind die weiblichen Tiere zur Laichzeit durch größere Körperfülle der Bauchregion zu erkennen.

Zucht
Geregelte, planmäßige Nachzuchten der Haibarbe sind nicht bekannt. Zufallszuchten sollen nach Pinter erfolgt sein. Inwieweit durch den Einsatz von Hypophysenhormone die Laichbereitschaft stimuliert werden kann, ist unsicher.

Verwechslungsmöglichkeiten
Keine.

Gefährdung
Die Haibarbe ist in der Natur gebietsweise gefährdet. In vielen natürlichen Flußsystemen ist sie selten geworden oder gar schon verschwunden. Sie wird in IUCN Red List of threatened species als endangered (= gefährdet) geführt.

Die Ursachen für die Gefährdung sind vorzugsweise in der Nutzung als Speisefisch und der allgemeinen Zerstörung der natürlichen Habitate in den Heimatländern zu suchen. Inwieweit Abwasserbelastungen eine Rolle spielen, ist unbekannt. Importe für die aquaristische Haltung dürften insgesamt eine Rolle spielen, über die Stärke dieses Gefährdungsfaktors liegen aber keine Daten vor.

Besondere Anmerkungen
Die Haibarbe (Balantiocheilos melanopterus) ist sehr anfällig gegen Sauerstoffmangel. Beim Transport größerer Tiere ist auf jeden Fall auf ausreichend große Behältnisse zu achten mit großem Wasser- und Luftvolumen. Der Transport sollte in abgedunkelten Behältnissen erfolgen. In den Sommermonaten ist ein Transport größerer Haibarben nicht empfehlenswert. Eigene Erfahrungen dazu liegen vor. Selbst Kurztransporte von nur 5 Minuten in abgedunkelten 30 l Eimern mit 20 l Wasser führen bei höheren Außentemperaturen zu Schädigungen bei den Tieren. Verluste hatte ich Gott sei Dank nicht zu verzeichnen; ich werde sommerliche Transporte dieser Art nicht mehr vornehmen.

Abschließende Bemerkungen
Die Haibarbe (Balantiocheilos melanopterus) ist ein Beispiel für eine Fischart, die für die Haltung in durchschnittlichen Aquariengrößen denkbar ungeeignet ist. Der Verkauf sollte nur nur gegen Nachweis geeigneter Hälterungsbedingungen erlaubt werden. Die Gefangenschaftshaltung von in der Natur gefährdeten Arten ohne konkrete Zuchtversuche ist grundsätzlich in Frage zu stellen. Sie sollte auf Zoologische Gärten oder vergleichbare Anlagen (z.B. der Öffentlichkeit zugängliche Dauerausstellungen von Aquarienvereinen mit entsprechenden Becken) beschränkt werden.

Ungeachtet dessen sind weitere Untersuchungen zum Sozialverhalten, zur Fortpflanzung, zur Einnischung in die natürlichen Habitaten und zur innerartlichen Kommunikation erforderlich.

Dieser Bericht wird weiter ergänzt und vervollständigt. Die Einarbeitung weiterer Literaturangaben folgt.

Literatur:
Riehl, R. & Baensch, H. (2001): Mergus Aquarienatlas, Band 1, 13. Auflage 2001, S. 380. Melle (Mergus Verlag). ISBN 3-88244-065-1

Sterba, G. (1990): Süßwasserfische der Welt. 2. Auflage, Leipzig, Jena, Berlin (Urania Verlag).

Sterba, G. (1978): Enzyklopädie der Aquaristik und speziellen Ichthyologie. - Melsungen, Berlin, Basel, Wien (Verlag Neuman-Neudamm).

Empfehlenswerte Links:
Fishbase

IUCN Red List of Threatened Species

Fischaltersliste von Manfred Velt

Copyright:
Dr. Ralf Rombach (2002).
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