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Weißpünktchenkrankheit (Ichthyophthirius multifiis)

Die Weißpünktchenkrankheit wird von einem tierischen, einzelligen Parasiten, genannt Ichthyophthirius multifiis ausgelöst.

Lebenskreislauf des Erregers und zeitlicher Ablauf des Lebenszyklus Der Erreger hat einen komplizierten Lebenszyklus. Man unterscheidet die Pünktchenphase (Trophozoit) am Fisch, die bodennah lebenden Cysten (Vermehrungsstadien) und die freischwimmenden Schwärmer, die die Fische befallen. Der zeitliche Ablauf des Lebenszyklus ist sehr von der Temperatur abhängig. Die Angaben sind daher relativ. Bei niedrigeren Temperaturen als angegeben verläuft der Zyklus langsamer, bei höheren Temperaturen verläuft er schneller.

1. Die Pünktchenphase am Fisch
Diese Phase ist diejenige, die dem Aquarianer auffällt. Die Fische sind mit kleinen bis mittleren weißen Pünktchen oftmals regelrecht übersäht, wobei die Pünktchen als in und auf der Schleimhaut festsitzende Erreger zu identifizieren sind. Diese nennt man, weil sie hier am Fisch von zerstörtem Fischgewebe und Gewebsflüssigkeiten fressen, auch Trophozoiten. Sie wachsen heran, d.h. sie werden größer bis zu etwa 1,1 mm Durchmesser. Dieses am Fisch parasitierende Stadium dauert mindestens 4 Tage bei 24C.

2. Die bodennah lebenden Cysten
Wenn der trophozoit reif ist, oder der Fisch stirbt, verlässt der Erreger den Fisch und schwimmt aktiv zu Boden oder anderem Substrat, wo er sich an einer geeigneten Stelle festsetzt. Diese freischwimmende Phase dauert maximal 2 Stunden, länger schwimmende Trophozoiten können sich nicht mehr richtig entwickeln. Auf dem Boden scheidet der Trophozoit eine schützende Cystenhülle aus Schleim (Mukopolysacchariden) ab. (dauert ca. 45 min bei 21C). In dieser dann entstandenen Cyste laufen zahlreiche Teilungen ab, d.h. hier erfolgt die Vermehrung des Parasiten. Je nach Temperatur dauert diese Phase zwischen ca. 80 Tagen bei 4C und 18 Stunden bei 25C.

3. Das Schwärmerstadium
Am Ende der Teilungsphase platzt die Cyste auf und die neuen Schwärmer verlassen die Cyste und suchen im Wasser aktiv (chemisch und optisch) nach einem Fisch. Nach spätestens 40 Stunden müssen die Schwärmer einen neuen Wirt gefunden haben, sonst sterben sie. Trifft ein Schwärmer auf einen Fisch, so dringt er in die Schleimhaut und auch in die oberen Hautschichten ein, setzt sich dort fest und wandelt sich wieder in die klassische Pünktchenform (Trophozoit) um, die am Fisch parasitiert und dort heranwächst.

Zusammenfassung des zeitlichen Ablaufes des Lebenszyklus:

  1. Pünktchenphase (Trophozoit): Dauer bei 24 C - 4 Tage
  2. Bodenphase (Cyste): Dauer bei 25 C - 18 Stunden
  3. Schwärmerphase: Dauer maximal 40 Stunden.

Bekämpfung der Erkrankung:

Die im Handel erhältlichen malachitgrünoxalat-haltigen Medikamente wirken nicht gegen die Pünktchen (Trophozoiten) am Fisch (Stadium 1) und nicht gegen die Cysten am Boden (Stadium 2), sondern nur gegen die Schwärmerphase (Stadium 3). Nur die Schwärmer sind gegen Malchitgrün empfindlich.

Dies ist wichtig zu wissen ! Sind die Fische nach einem Medikamenteneinsatz nach 3-4 Tage frei von Pünktchen, ist die Krankheit im Becken lange nicht beseitigt, sondern das heißt nur, daß sich die Erreger überwiegend im Bodenstadium befinden und sich dort gerade vermehren für den nächsten Zyklus. Das Abfallen der Erreger vom Fisch hat also nichts mit den Medikamenteneinsatz zu tun, sondern ist vom Lebenszyklus des Erregers vorgegeben. Aus dem Lebenszyklus geht hervor, daß der 5.-6. Tag die entscheidenden sind. Hier treten dann die Schwärmer auf, die es zu bekämpfen gilt. Da nun aber die Entwicklungszyklen der Parasiten nicht synchron, sondern zeitversetzt ablaufen, ist eine Behandlungsdauer von 10 Tagen anzusetzen bei 24-25 C.

Behandlungsmethoden:

I. Klassische Behandlung mit Malachitgrün aus http://www.tobias-moeser.de (korrigiert und ergänzt).

Ichthyo kann nur in einer bestimmten Phase seines Lebenszyklus überhaupt von Malachitgrünoxalat getroffen werden: in der Schwärmerphase. Das am häufigsten eingesetzte Medikament (Malachitgrünoxalat) ist ein lichtempfindlicher Farbstoff, der bei Ratten Krebs auslösen kann. Für den Menschen wirkt er procarcinogen. Also Vorsicht beim Hantieren mit den Medikamenten, auch den aus dem Handel, Hautkontakt vermeiden.

Die Fische sterben nicht immer an der Infektion direkt, sondern meist an deren Folgen. Auch wenn Ichthyo erfolgreich bekämpft ist, können Fische daran sterben.

Hieraus ergeben sich Konsequenzen für die Behandlung:

1. Tag:
Als Medikament dient eine Malachitgrünoxalat-Stammlösung. Für einen Liter Stammlösung wird 1 g Pulver mit einem Liter Wasser verrührt. Diese Stammlösung kann man sich in einer Apotheke mischen lassen. Die Lösung nicht auf Dauer aufbewahren, sie verdirbt schnell und ist dann unwirksam. Die Lösung während der Behandlungszeit dunkel und kühl stellen, da Malachitgrünoxalat lichtempfindlich ist. Immer mit Gummihandschuhen arbeiten und auf jeden Fall Hautkontakt vermeiden.

Vor der Behandlung etwa 30% des Aquariumwassers wechseln und soviel Mulm wie möglich entfernen. Aktivkohle- und großvolumige Biofilter sollten entfernt oder kurzgeschlossen sein. Von der Stammlösung kommen 5-6 ml pro 100 l Aquarienwasser ins Aquarium. Ein 200 l-Becken bekommt also z.B. um 18 und um 20 Uhr jeweils 5-6 ml Stammlösung. So entsteht im Aquarium eine Konzentration von 0,05 bis 0,06 mg/l. Da Malachitgrünoxalat lichtempfindlich ist, empfiehlt es sich, die Aquarienbeleuchtung auszuschalten. Wenn die Fische Hunger haben, wenig füttern. Zur Unterstützung kann die Temperatur soweit erhöht werden, wie die Fische es vertragen. Auch ein starker mechanischer Filter mit engmaschigem Filtermaterial kann helfen.

Es wird an dieser Stelle auch auf Standardmedikamente wie Sera costapur und Tetra ContraIck verwiesen, die fertige malachitgrün-haltige Lösungen darstellen. Die Dosierungen richten sich dann nach den Packungsbeilagen, da Malachitgrün hier in anderen Komplexbindungen vorliegen kann und weitere Zusatzmittel enthalten sind. Die Behandlungsdauer wie folgt beschrieben. Auch hier Aktivkohlefilter auf jeden Fall ausschalten oder die Kohle entfernen und Biofilter nach Möglichkeit an einem anderen Becken leer laufen lassen.

2. Tag:
Licht kurz einschalten und die Farbe des Wassers mit der Wasserfarbe vom 1. Tag vergleichen. Füttern, wenn die Fische hungrig sind.

3. Tag:
Licht kurz einschalten und die Farbe des Wassers mit der Wasserfarbe vom 1. Tag vergleichen. Wenn die Färbung etwa um 50% nachgelassen hat, 3 ml pro 100 l der Stammlösung nachdosieren. Wenn die Färbung noch nicht so stark nachgelassen hat, nicht nachdosieren. Füttern, wenn die Fische hungrig sind.

4.-8. Tag:
wie 3. Tag

9. Tag:
Licht nicht einschalten. Füttern, wenn die Fische hungrig sind.

10. Tag:
Licht einschalten und etwa 30% des Wassers wechseln. Dabei soviel Mulm wie möglich entfernen. Füttern, wenn die Fische hungrig sind.

11. Tag:
wie 10. Tag. Die Behandlung ist abgeschlossen. Heizer runterdrehen und den kurzgeschlossenen Biofilter wieder anschließen.



II. Alternative Behandlungsmethoden:

II.1. Temperaturbehandlung
Die meisten Ichthyo-Stämme vertragen Temperaturen über 28C nicht, sie stellen dann ihre Entwicklung ein. Theoretisch sollte es also ausreichen, das Aquarium auf 28C hochheizen. Außerdem muß man beachten, ob die Fische diese Temperaturen vertragen. Leider gibt es auch einzelne Isolate, die bis zu 33C gut vertragen und infektiös bleiben.

2. pH Wert-Behandlung
Die meisten Ichthyo-Stämme vertragen pH-Werte unter 5,6 und über 9,2 nicht. Dem entsprechend kann für Fische, die extreme pH-Werte vertragen oder bevorzugen, der pH so eingestellt werden, daß das Wasser für Ichthyo nicht mehr günstig ist.
Diese Methode ist für das normale Gesellschaftsaquarium nicht anzuwenden.

3. Quarantänebehandlung
Wenn die Ichthyo-Cysten während der Bodenphase gestört und abgelöst werden, entwickeln sie sich nicht weiter. Setzt man infizierte Fische in ein kahles Aquarium und reinigt den Boden und die Scheiben zweimal täglich sehr gründlich, werden sich keine Cysten mehr entwickeln können. Hierzu kommt noch ein weiterer Effekt: Viele Fische nehmen die abgelösten Cysten auf und können dadurch möglicherweise eine gewisse Immunität erreichen.
Auch diese Methode halte ich im Bereich Gesellschaftsaquarium für nicht effektiv.

4. Salzbehandlung (nach Renate Husmann)
Vorbereitend ist ein großer Wasserwechsel (40%) zur Reduzierung von Schadstoffen durchzuführen, wenn der letzte mehr als einige Tage zurückliegt. Während der gesamten Behandlung muß belüftet werden. Vorteilhaft sind Gaben von Lebendfutter und Vitaminen zur Stärkung der Selbstheilungskräfte.
Im Laufe von 36-48 Stunden wird dann zunächst die Wassertemperatur auf 30C bis 33C angehoben (+1C alle ein bis zwei Stunden, je höher die Endtemperatur sein kann, desto besser), mindestens jedoch um 3C über den Normalwert. Je höher, desto schneller sterben die temperaturempfindlichen Schwärmer ab. Danach erfolgt die Salzzugabe in 3-4 Stufen. Diese Stufen sind wichtig, damit sich die Filterbakterien anpassen können. Untergasser [3] nennt folgende Dosen für ein Dauerbad im Haltungsbecken:

Salz[4]
1g je 12,5 l bei einer Wasserhärtevon 8dH und weniger.
3g je 10 l bei einer Wasserhärte von 12dH und mehr.

Zwischenwerte sind abzuschätzen. Ab 2g/10 l werden Pflanzen geschädigt. Zwei bis drei Tage nach begonnener Aufsalzung sind bei 30C die weißen Pünktchen verschwunden, die Schwärmerstadien sterben dann in Kürze auch ab. Die Gesamtdauer der Behandlung beträgt also, abhängig von der Temperatur, 14-20 Tage.
Durch mehrere Wasserwechsel von 20% bis maximal 40% und mehreren Tagen Abstand wird das Salz im Laufe der nächsten 1-2 Wochen wieder entfernt.

Alternativ kann man auch Kurzzeitsalzbäder mit bis zu 15 g Kochsalz (jodfrei) je 1 l Wasser machen. Diese jedoch maximal nur 10 Tage und sie sollten nicht im Gesellschaftsaquarium durchgeführt werden.

Links / Verweise:

  1. http://www.tobias-moeser.de
  2. http://www.rhusmann.de/aqua/salz.htm#Vorteile
  3. http://www.zierfisch-forum.de/phpbb/phpBB/viewtopic.php?topic=3903&forum=12&start=0

Copyright bei Tobias Möser (Teile sind aus seiner Webseite), Renate Husmann (Teile sind aus ihrer Webseite), Bongo (Zierfisch-Forum). Zusammengestellt von R. Rombach

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