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Anmerkungen und Nachträge (3. Teil)


Abschließend seien Anmerkungen und Nachträge gegeben.

Anmerkungen:

  1. Massensterben nur nach Neuerwerbungen ?

    Massensterben von Fischen in Aquarien treten nicht nur nach Neuerwerbungen auf. Sie kommen auch in Aquarien ohne Besatzergänzungen, wenn auch seltener vor. In vielen Fällen kann man die Ursachen schnell ergründen, die beispielsweise in Wasserwechseln mit ungeeignetem Wasser (z.B. nach Stoßchlorungen durch die Wasserwerke) zu suchen sind oder auf direkte Vergiftungen durch Fütterung mit unzureichend gereinigtem Futter (z.B. ungeschältes Gemüse mit Spritzmittelresten) zurückgehen. Dennoch kommt es in seltenen Fällen auch ohne diese Faktoren zu Massensterben, deren Ursachen dann meist im Dunkel verbleiben. So berichtete mir vor wenigen Wochen ein langjähriges Aquarianer-Ehepaar von einem Massensterben von Diskus und Altum-Skalaren in einem ihrer Aquarien. Die Tiere verstarben alle über Nacht. Die Ursachen ließen sich auch nach längerem Gespräch nicht genauer ermitteln. Ohne direkten Zugang zum Becken und einem entsprechend ausgerüstetem Labor wird man nur selten Lösungen und Ursachen finden. Allerdings sind solche Massensterben Ausnahmefälle.
  2. Sind Tiere aus privater Nachzucht besser als Tiere aus großen Zuchtbetrieben oder kann man Massensterben durch Erwerb ausschließlich privat nachgezogener Tiere verhindern ?

    Dies ist eine gerade in den aquaristischen Internetforen oft diskutierte Frage mit einer meist sehr schnell gefundenen angeblichen Ursache: Die Tiere aus dem Handel sind grundsätzlich alle "schlecht, da sie aus antibiotikaverseuchten Massenzuchten" stammen und die Händler alle nur den schnellen Reibach machen wollen. Tiere von privat sind grundsätzlich besser, gesünder und widerstandsfähiger. (Frei nach dem Wortlaut in verschiedenen Diskussionen aus Internetforen).
    Geht man der Sache aber weiter auf den Grund, so ist dem bei weitem nicht so, vor allem nicht so einfach. Es sei auf das Beispiel meiner Guppies, die ich an einen örtlichen Händler verkaufte, verwiesen. Es waren meine Tiere, die starben und nicht die angeblich so "verseuchten" Massenzuchttiere. Insofern kann man nicht so einfach die Aussage treffen, daß Tiere aus Privatzuchten grundsätzlich besser sind als Zoohandelstiere. Ich habe in den letzten Jahren auf mehr als einer Vereins-Fischbörse Tiere auch aus privaten Nachzuchten gesehen, von denen ich keines erworben und in meine Anlage gesetzt hätte. Als Beispiel sei ein Panzerwelszüchter (ohne weiteren Namen) angeführt, der auf einer Fischbörse in Bonn in einem 40 x 25 x 25 cm Verkaufsbecken (ohne Filterung) Nachzuchten von Corydoras sterbai und Albino-Panzerwelsen feilbot. Jetzt kommt es: In dem Becken stapelten sich die Tiere etwa 5-lagig. Man kann sich in etwa ausdenken, unter was für einen Streß die Tiere standen.
    Letztlich folgt daraus, daß eine differenziertere Betrachtungsweise erforderlich ist. Mit pauschalen Urteilen kommt man einer Problemlösung nicht näher.
  3. Ist das Massensterben auf jeweils eine Art beschränkt ?
    Die Frage ist mit einem Nein und einem Ja zu beantworten. Die Massensterben verlaufen oft sehr unterschiedlich, wobei als Kriterium lediglich die Keimdichte im jeweiligen Aquarium herangezogen werden kann. In vielen Fällen geraten nach einer Besatzergänzung die Aquarien mikrobiologisch so stark aus dem Gleichgewicht, daß ein Massensterben alle Fische in diesem Aquarium trifft. Es gibt aber auch Fälle, wo auftretende Massensterben nur auf eine einzige Fischart oder sogar nur auf eine Gruppe, beispielsweise eine bestimmte Zuchtform, beschränkt bleiben. Oft handelt es sich dabei um Tiere aus einer Weitergabelinie, also nur der Altbesatz einer Art oder nur der Neubesatz aus einer anderen Quelle. Bisher lassen sich jedoch noch keine Muster erkennen, unter welchen Rahmenbedingungen nur eine Art oder Form oder alle in einem Aquarium lebenden Tiere betroffen sind.

Schlußbemerkung:

Mit diesem Artikel, der bei weitergehenden Erfahrungen ergänzt werden soll, ist in keinster Weise die Absicht einer Panikmache oder eines übervorsichtigen Umgehens mit Fischen und anderen aquatischen Tieren verbunden. Es soll auf die Schwierigkeiten und die Gefahren eines zu sorglosen Umganges mit den Tieren hingewiesen werden. Aus bisherigen Berichten und Erfahrungen lassen sich Gemeinsamkeiten erkennen und Maßnahmen ableiten, die zur Vermeidung von Massensterben, zumindest jedoch in der Senkung des Risikos münden können. Dies wird mit dieser Artikelreihe versucht.
Aquatische Ökosysteme, also auch ein Aquarium sind hinsichtlich ihrer Mikrobiologie in manchen Punkten anders strukturiert als terrestrische Ökosysteme. Die permanent vorhandene Besiedlung aller Oberflächen eines Gewässersystems mit Biofilmen und die durch das Medium bedingte höhere Ausbreitung und Übertragung von Bakterien zieht Konsequenzen für alle im Wasser lebende Organismen nach sich. Sie sind vermutlich einer deutlich höheren potentiellen Infektionsgefahr ausgesetzt, diesem ständig höheren Risiko sind die Tiere jedoch angepaßt. Nur in besonderen Situationen, wie hier beispielhaft am undifferenziertem Massensterben nach Besatzergänzung mit Tieren aus anderen Herkunftslinien, gerät das System aus dem Gleichgewicht.

Copyright:

Dr. Ralf Rombach (Ahrbrück) - 2005.

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