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Quarantäne ? (2. Teil)


Aus dem bisher im Teil 1 Geschriebenen geht hervor, daß bei Neuerwerbungen Maßnahmen zur Quarantäne sinnvoll und empfehlenswert sind. Allerdings zeigt auch das Beispiel der Botia kubotai, daß man die Quarantäne nicht einfach durch wochen- oder monatelanges Getrennthalten der Tiere durchführen kann, sondern daß weitergehende Maßnahmen erforderlich sind.
Über die grundsätzliche Erfordernis von Quarantäne gibt es viele verschiedene Meinungen von fast vollständiger Ablehnung bis hin zu grundsätzlicher Durchführung.

Als erstes sei daher der Versuch der Klärung erlaubt, wann Quarantäne eine wichtige Maßnahme ist:

Quarantäne ist empfehlenswert:

  1. Bei zeitlich lang isolierten Aquarien und Hälterungsanlagen.
    Die Begründung ergibt sich aus der Spezialisierung der Bakterienstämme eines Aquariums und der sich ausbildenden Spezialisierung der Immunsysteme der dort lebenden Tiere auf die spezifischen Bakterienstämme. Je länger ein Aquarium aus einer "definierten" Weitergabekette isoliert ist, umso größer wird die Gefahr eines Ausbruchs von undifferenziertem Massensterben nach Zuführung von neuen Fischen. Dabei spielt es dann keine Rolle, ob es sich um Tiere aus einer oder verschiedener Weitergabeketten handelt.
    Angaben über den erforderlichen Mindestzeitraum der Isolierung einer Hälterungsanlage lassen sich nicht machen, der Mindestzeitraum dürfte nach vorsichtigen Schätzungen ab etwa 3 Monaten beginnen.
  2. Bei Hinzuführung von Fischen aus einer "fremden Weitergabelinie".
    Mit Weitergabeketten oder Weitergabelinien sind die in der Besiedlung mit Bakterienstämmen voneinader abhängigen Aquarien gemeint, also beispielsweise die Kette von Großhändler über Einzelhändler bis zum Aquarianer. Eine "fremde Weitergabelinie" bedeutet, daß der Aquarianer Fische aus verschiedenen Zoohandlungen erwirbt. Mit "definierter Weitergabekette" ist der Erwerb von Tieren ausschließlich aus einer Kette, also konkret bei einem Zoohändler gemeint.
    Das Risiko des Ausbruchs von Massensterben nimmt bei Erwerb von Tieren aus fremden Weitergabelinien enorm zu. Hier ist eine Quarantäne unbedingt empfehlenswert.
  3. Kombination zwischen langer Isolierung eines Aquariums und Tiere aus fremden Weitergabelinien.
    Die Kombinationen zwischen den beiden vorgenannten Punkten ist die Stufe des höchsten Risikos, welches ein Aquarianer beim Neuerwerb eingehen kann. Als Beispiel sei ein Aquarium angeführt, wo keinerlei Besatzergänzungen in 2 Jahren gemacht wurden und nun erwirbt der Aquarianer von einem fremden Händler mit einem anderen Großhändler oder auch von privat neue Fische.

Quarantäne ist nicht erforderlich:

  1. Bei Erstbesatz eines Aquariums.
  2. Bei geplanter Haltung von Neuerwerbungen in Artaquarien.
    Beide Punkte sind trivial und bedürfen keiner weiteren Erläuterung.

Quarantäne ist nicht zwingend erforderlich, aber bei Bedarf empfehlenswert:

  1. Bei hoher Fluktuation von Fischen, die ausschließlich aus einer "Weitergabekette" stammen.
    Die konkrete Gefahr des Ausbruches eines undifferenzierten Massensterben ist bei regelmäßigem Erwerb von Tieren aus einer definierten Weitergabekette (für den Aquarianer heißt das konkret: ein Händler seines Vertrauens) recht gering, vorausgesetzt die Tiere aus dieser Kette sind erkennbar nicht erkrankt oder vorgeschädigt. Ausdrücklich nicht eingeschlossen in dieser Argumentation sind parasitäre Erkrankungen wie beispielsweise die Weißpünktchenkrankheit, die auch innerhalb einer Weitergabekette durchaus auftreten kann. Hier sind gezielte Maßnahmen erforderlich. Zum weitgehenden Ausschluß des Ausbruches solcher Krankheiten kann man Quarantäne durchführen, wobei die Quarantänezeiten sich grundsätzlich an dem jeweiligen Erregerzyklus zu orientieren haben.

Grundanforderungen an ein Quarantäneaquarium

Eigentlich ist es ganz einfach, ein Quarantäneaquarium hat die Mindestanforderungen, die die Fische an ihren Lebensraum stellen, zu erfüllen. Gleichzeitig soll es die Beobachtung der Tiere erleichtern und erforderliche Pflegemaßnahmen und bei Bedarf Medikamentierungen sollen schnell und effektiv ohne die Tiere zu sehr zu stressen, ermöglichen. Es ist einleuchtend, daß man ausgewachsene Diskusbuntbarsche nicht in einem 54 l Becken in Quarantäne halten kann. Ebenso einleuchtend ist, daß man Harnischwelsen, die beispielsweise Holz für ihre Verdauung benötigen, dieses auch im Quarantäne-Aquarium anbieten muß. Tiere, die ein hohes Deckungsbedürfnis haben, muß dieses ebenso selbstverständlich erfüllt werden. Dies kann beispielsweise bei Dornaugen oder vielen Schmerlen durch PVC-Röhren, die man ins Aquarium legt, geschehen.
Grundsätzlich gilt: Das Quarantäne-Aquarium hat an einem wenig gestörten Standort zu stehen. Dies gilt vor allem für freischwimmende Tiere der mittleren und oberen Wasserschichten. Jede überflüssige Störung von außen birgt unnötigen Stressfaktoren.

Zur Vorgehensweise bei der Quarantäne im einzelnen (wir gehen hier davon aus, daß keine Möglichkeiten einer mikroskopischen Untersuchung gegeben sind):

  1. Mindestdauer der isolierten Haltung.
    Die Mindestdauer einer von anderen Aquarien isolierten Haltung richtet sich nach den bekannten und weiter verbreiteten krankheitserregern, beispielsweise bei der Weißpünktchenkrankheit je nach Temperatur zwischen 10 und 14 Tagen. Tritt während dieser Zeit kein Ausbruch auf, so sind die Tiere entweder erregerfrei oder sie kommen mit einer latent vorhandenen, geringen Menge an Erregern klar. Vorsichtshlaber dehnt man die Zeit der isolierten Haltung auf 4 Wochen aus. Während der Zeit ist auf folgendes zu achten:
    1. Kot.
      Der Kot hat eine feste Konsistenz und je nach Nahrung eine überwiegend dunkle Färbung. Schleimiger, fädiger oder weißlicher Kot sind Anzeichen für eine nicht stabile Darmflora. Nicht irritieren sollte man sich bei Lebendgebärenden von langen Kotschnüren mit weißlichen, dünneren "Verbindungsstücken". Solange der Kot fest ist, besteht keine Gefahr. Es handelt sich bei diesen "Verbindungsstücken" um Teile der sogenannten peritrophischen Membran, die die Tiere im Darm um den Nahrungsbrei legen.
    2. Haut.
      Die Haut ist intakt, es sind keine Wunden oder Verletzungen vorhanden. Gräulich-weißliche Hautbeläge oder Hauttrübungen deuten auf eine Infektion mit Hauttrübern hin. grießkornartige Knötchen auf Befall mit den bekannten Hautparasiten.
    3. Kiemen und Atmung.
      Die Kiemen sind unauffällig. Die Atmung ist normal. Um dazu vernünftige Vergleichswerte zu haben, notiere man sich bitte für jede Art regelmäßig die Atmungsbewegungen pro Minute (wenn die Tiere nicht unter äußerem Streß stehen). Ausreichende Sauerstoffsättigung wird vorausgesetzt. Die Atmungsbewegungen je Minute sind ein guter Indikator, ob die Kiemen frei von Parasiten sind.
    4. Augen.
      Die Augen sind klar und nicht trüb.
    5. Flossen.
      Die Flossen sind (je nach Art unterschiedlich) normal gefärbt, es gibt keine randlichen Trübungen, die Flossenränder sind nicht zerfranst, die Flossenstrahlen sind intakt. Manchmal kommt bei größeren Fischen wie beispielsweise Skalaren vor, daß einzelne Flossenstrahlen gebrochen sind, diese sind lediglich zu beobachten, konkrete Behandlungen sind meist nicht erforderlich.
    6. Verhalten.
      Das Verhalten die Tiere ist normal innerhalb ihrer natürlichen Verhaltensweisen. Die Tiere sind aufmerksam (freischwimmende Tiere), konstant hungrig, nicht schreckhaft. Insbesondere sind alle Flossen abgespreizt und werden nicht an den Körper angelegt (Flossenklemmen).

    7. Sind alle diese Voraussetzungen erfüllt, kann man nach 4 Wochen mit der zweiten Phase der Quarantäne beginnen.
      Das Beispiel der Botia kubotai aus Teil 1 dieses Artikels zeigt, daß die reine "Getrennthaltung" über mehrere Monate bei Tieren aus verschiedenen Weitergabelinien, nicht ausreichen muß, um undifferenzierte Massensterben zu verhindern. Es geht um die wechselseitige Gewöhnung der Tiere an die Bakterienstämme des jeweils anderen Aquariums. Dazu ist folgende Vorgehensweise erforderlich:

  2. Phase: wechselseitige Gewöhnung der Bakterienstämme.
    1. Tägliche Übertragung von Wasser aus dem späteren Hälterungsaquarium in das Quarantäne-Aquarium (1. Woche).
      Die erste Phase der Gewöhnung beginnt mit der täglichen Wasserübertragung in das Quarantäne-Aquarium. Je nach Beckengröße des Quarantäne-Aquariums empfehlen sich unterschiedliche Mengen, bei einem 54 l kann man etwa 0,5 l täglich als Wert ansetzen. Damit werden (vergleichsweise) geringe Mengen von Keimen aus dem Hälterungs-Aquarium in das Quarantäne-Aquarium übertragen. Die dort lebenden Tiere müssen sich nun an die "neuen" Keime gewöhnen und sie in ihre Immunabwehr integrieren.
    2. Mehrfache Übertragung von Mulm aus dem Hälterungsaquarium in das Quarantäne-Aquarium (2. Woche).
      Im zweiten Schritt empfiehlt sich die Übertragung von Mulm. Mulm enthält je nach Alter und Struktur größere Mengen an in Biofilmen siedelnden Bakterien, darunter oftmals auch fakultativ krankheitserregende Keime. Mit diesem zweiten Schritt wird eine stärkere Anpassung der Keime im Quarantäne-Aquarium an die des Hälterungsaquariums bewirkt.
      Steht Mulm in nicht ausreichender Menge zur Verfügung, kann alternativ auch Filtermaterial aus dem Filter des Hälterungsaquariums in das Quarantäne-Aquarium verbracht werden.
    3. Tägliche Übertragung von Wasser aus dem Quarantäne-Aquarium in das spätere Hälterungs-Aquarium (3. und evtl. 4. Woche).
      Die beiden nächsten Schritte entsprechen den beiden ersten, lediglich in umgekehrter Richtung. Gleichzeitig sind sie der kritische Punkt bei der Angleichung der Bakterienstämme der in beiden Aquarien lebenden Tiere. Je nach "Wert" (Wertmaßstäbe sind schwierig zu benennen) kann der dritte Schritt, der Übertragung von Wasser aus dem Quarantäne-Aquarium in das Hälterungsaquarium auch länger und in zeitlich etwas größeren Abständen angesetzt werden. Es ist des weiteren zu berücksichtigen, daß die Wassermenge im Hälterungsaquarium zumeist größer ist, die jeweils "übertragenen Keime" sich daher im größeren Aquarium entsprechend prüzentual verdünnen.
    4. Übertragung von Mulm oder Filtermaterial vom Quarantäne-Aquarium in das Hälterungsaquarium (5. und evtl. 6. Woche).
      Der letzte Schritt ist das weitere "Animpfen" des Hälterungsaquariums mit Mulm und/oder Filtermaterial aus dem Quarantäne-Aquarium.

    Nach Abschluß der Angleichungen der Keime in beiden Aquarien ist dann ein Umsetzen der Tiere ohne die Gefahr des Ausbruchs eines undifferenzierten Massensterbens möglich.
    Die Anpassung der Wasserwerte von Hälterungsaquarium und Quarantäne-Aquarium wird als vorausgesetzt angesehen.

Copyright:

Dr. Ralf Rombach (Ahrbrück) - 2005.

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